Friedrich Nietzsche
Friedrich Nietzsche war ein deutscher Philosoph und klassischer Philologe. Er verstand sich selbst als Freier Denker. Sein Herangehen an philosophische Probleme ist mal künstlerisch, mal wissenschaftlich oder philosophisch geprägt. Seine Aphorismenbücher sind geschickt zusammengestellt und wie Erzählungen komponiert.
Seine Begabung
Nietzsche entstammt einer geistlichen Familie und verbringt seine Kindheit, nach dem frühen Tod seines Vater in einem Frauenhaushalt. Schon während seiner Schulzeit fällt seine musische und sprachliche Begabung auf. Früh schon beginnt er zu Dichten und zu Komponieren.
20jährig beginnt Nietzsche an der Universität Bonn klassische Philologie und evangelische Theologie zu studieren. Bereits nach einem Semester gibt er die Theologie auf und folgt dem renommierten Bonner Philologieprofessor Friedrich Wilhelm Ritschl an die Universität Leipzig. Dort setzte er sein philologisches Studium fort. Während dieser Zeit setzt er sich mit verschiedenen Philosophen auseinander und lernt auch Richard Wagner kennen, mit dem er einige Zeit befreundet ist.
Bereits 1869 wird er auf Empfehlung von Friedrich Ritschl zum außerordentlichen Professor für klassische Philologie an die Universität Basel berufen. Mit seinem Umzug nach Basel lässt er sich aus der preußischen Staatsbürgerschaft entlassen und bleibt zeit seines Lebens staatenlos.
Sein Wirken
Sein erstes großes Werk über den Ursprung der Tragödie, wird von vielen seiner Kollegen nicht verstanden und abgelehnt. Auch seine nächsten Werke, die vier "Unzeitgemäßen Betrachtungen" und "Menschlisches, Allzumenschliches" bringen ihm nicht die erhoffte Resonanz.
Bereits seit seiner Kindheit leidet Friedrich Nietzsche an Kurzsichtigkeit, Migräne und Magenbeschwerden. Diese zwingen ihn auch während seiner Lehrzeit in Basel häufig zu längeren Pausen. 1879 lässt er sich wegen anhaltender Beschwerden frühzeitig pensionieren. Fortan reist er sehr viel, auf der Suche nach für ihn optimalen Klimabedingungen. So lebt er zeitweise in der Schweiz, in Italien und Frankreich und betätigte sich als freier Autor.
Man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
Friedrich Wilhelm Nietzsche, aus "Zarathustra"
Immer wieder war Nietzsche auch auf der Suche nach einer Frau. Anfang 1883 erhält er auf einen Heiratsantrag eine Ablehnung. Unter diesem Einfluss und weiterer Krankheitssymptome entsteht der erste Teil seines Hauptwerkes "Also sprach Zarathustra", in welchem in Prosaform ein Erzähler vom Wirken eines fiktiven Denkers berichtet. Dieser neue Stil Frietzsches stößt jedoch selbst im engsten Freundeskreis auf Unverständnis. Erst seine späteren Werke finden langsam eine Leserschaft: "Jenseits von Gut und Böse", "Geburt", "Menschliches", "Morgenröte", "Fröhlicher Wissenschaft". Weitere Arbeiten und Werke folgen.
1889 erleidet er einen geistigen Zusammenbruch. Briefe an Freunde und Bekannte sind vom beginnenden Wahnsinn gezeichnet. Zunächst wird Nietzsche in einem Irrenhaus in Basel behandelt. Von dort bringt seine Mutter den inzwischen geistig völlig Umnachteten in die Psychiatrische Universitätsklinik nach Jena. Nachdem mehrere Heilungsversuche scheitern, nimmt ihn seine Mutter bei sich auf, wo er von der Familie bis zu seinem Tod im August 1900 gepflegt wird. Die Ursachen und sein Krankheitsbild bleiben bis heute umstritten.
Sein Denken und Schaffen
Seinen philosophischen Betrachtungen, sind zum Teil von Wagner und Schopenhauer beeinflusst. Auch Tolstoi und Dostojewski beeinflussen sein Denken. Bekannt ist Friedrich Nietzsche auch durch seine Gedichte und Prosa, welche von heiter bis dunkel und schwermütig, philosophische Gedanken ausdrücken. Seine späteren Werke, in denen er seine Lehren weiter weiterführt, nehmen an polemischer Schärfe zu.
Nietzsches Denken und Werke sind vielfach interpretiert und diskutiert worden. Sein breitgefächtertes Schaffen wird als Ausdruck seiner Weltsicht bewertet. Sein schärfster Kritikpunkt ist die Moral im Allgemeinen und die christliche Moral im Besonderen.
Erst nach Beginn seiner geistigen Umnachtung beginnen sich seine Zeitgenossen für sein Schaffen zu interessieren. Auch seine Schwester erstellt ein Nietzsche-Archiv und schreibt eine Biographie mit der Deutung seines Werkes. Es stelle sich jedoch heraus, dass sie seine Aussagen gefälscht und zum Teil weggelassen hat, sowie Eigenes hinzufügt.
Mehrfach wurden seine Werke von verschiedenen Wissenschaftlern untersucht, geordnet, archiviert, bewertet und interpretiert. Nach 1945 galt Nietzsche sogar als Nazi-Philosoph. Die aktuelle Nietzsche-Forschung bemüht sich nun um eine nüchterne Rezeption seines Schaffens.
Vom Stundenzeiger des Lebens.
Das Leben besteht aus seltenen einzelnen Momenten von höchster Bedeutsamkeit und unzählig vielen Intervallen, in denen uns bestenfalls die Schattenbilder jener Momente umschweben. Die Liebe, der Frühling, jede schöne Melodie, das Gebirge, der Mond, das Meer - alles das redet nur einmal ganz zum Herzen: wenn es überhaupt je ganz zu Worte kommt. Denn viele Menschen haben jene Momente gar nicht und sind selber Intervalle und Pausen in der Symphonie des wirklichen Lebens.
Friedrich Wilhelm Nietzsche, aus "Menschliches, Allzumenschliches"
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